Talita

Hilfsangebote für in tiefer Not u. Verzweiflung befindliche Menschen

Hintergrund dieses Angebotes ist die biblische Geschichte über die Vollmacht Jesu über Krankheit und Tod ( MK 5, 21- 43 ), als Jesus zu der offensichtlich bereits gestorbenen Tochter des Tempelvorstehers spricht: Thalita komm, Mädchen, ich sage dir, stehe auf!

Diese Geschichte ist auf die Erwartung ausgerichtet, dass Glaube entstehe. Die krasse Schilderung des bis ins Leibliche reichenden Handeln Gottes will helfen, die Leiblichkeit nicht aus dem Vertrauen auszuklammern. Es wird eingeschärft, dass Glaube erst in der personenhaften Begegnung mit Jesus, im“ Gespräch“ mit ihm zur Erfüllung kommt und dass selbst das Erleben eines alle Verstehensmöglichkeiten sprengenden Wunders noch nichts hilft.

Totenauferweckung ist nach dem Evangelisten Markus einmalige Ausnahme, die zwar Jesu Vollmacht zeigt nicht aber das Todesproblem des Menschen lösen will.

So hat Jesus den Tod nicht überwunden, damit Verstorbene in besonders tragischen Fällen auf einige Jahre in ihnen Familien zurückschickt. Das Verständnis dieser Geschichte hängt an der Erkenntnis, dass es zunächst durch alle möglichen Erfahrungen hindurch zum Glauben kommt, der von jenen Gemeinschaft suchenden stiftenden “Sehen “Jesu zum Gespräch mit ihm und zu seinem in Frieden Gottes entlassenden Wort führt. Nur wer dieses Ja Gottes zu ihm, die Gemeinschaft, in die Gott ihn hineingenommen hat, erfahren hat, weiß auch, dass das mit Sterben nicht abbrechen wird. Von da aus kann er Gott die Schöpfermacht der Auferweckung von den Toten zutrauen, die in dieser Erzählung sichtbar wird, und es lernen, mit Jesus die Realität Gottes ernster zu nehmen als die scheinbare Realität des Todes.

Er wird dann am Sarg und auf dem Sterbebett das Leben glauben dürfen, das konkreter und realer ist als alles, was auf Erden Leben heißt.

Freilich folgen ( Apg. 24, 15 u. 26, 6 – 8 ) aus der pharisäischen und vollkstümlichen Erwartung einer allgemeinen Totenauferstehung, dass auch die Erweckung Jesu nicht unglaublich sei und ( Apg. 4,2 ) umgekehrt, diese sei ein beweisendes Beispiel für jene.

Aber schon MK 12, 27 zeigt, dass nur der Glaube an den wirkenden und Leben schenkenden, nicht vernichtenden Gott zur Gewissheit der Auferstehung führen kann. So argumentiert auch Paulus (1. Kor. 15, 12 ff ), dass nur die Erfahrung des lebendigen Christus heute auch die Gewissheit einschließt, dass die, die ihm angehören, über den Tod hinaus nicht von ihm getrennt, “ mit Jesus auferweckt “ werden ( 2. Kor. 4, 10 ).

Noch schärfer betont Joh. 11, 24 – 27, dass ein allgemeines Für – wahr- halten der Auferstehung nichts hilft, solange der Glaube erkennt, dass die Gewissheit der Auferstehung in Jesus liegt, der ihm jetzt begegnet, dass er allso mit Marta nicht mehr nur “ etwas “ glaubt, sondern Jesus mit “Du“ anredet. Darum spricht Paulus nur von Auferweckung der Glaubenden ( 1. Kor. 15, 21 – 23 ), trotz Röm. 2, 9 – 11 nie von der zum Gericht; erst recht gilt dies für Joh. 11, 24- 27 ( anders die Tradition in 5, 28 f ; doch siehe auch die eigentlich johanneische Aussage 5, 25f ). Selbst Offb. 20, 12 f verwendet für die Vorführung der Ungläubigen vor Gericht trotz 20, 6 das Wort “ Auferstehung“ nicht. Wer allgemein darüber nachdenkt, ob es Auferstehung “gibt “ oder nicht, muß ins Spekulieren geraten, das von der Zusage Gottes an den Glauben absieht, so dass eine bejahende wie eine verneinende Aussage das Zeugnis des Glaubens verfälschte. Für die Junge Gemeinde war die Erfahrung von Ostern so überwältigend, dass “ Auferstehung “ für lange Zeit nur das Heilsgeschehen beschrieb, das denen zuteil wird, die im Glauben mit Jesus und seiner Auferweckung zusammengeschlossen sind.

Daß uns das Fürwahrhalten einer Totenauferweckung schwerer fällt als den Zeitgenossen des Markus, schärft den Blick für die Botschaft dieses Berichtes. Weil er für sie weniger Denkschwierigkeiten bot, konnte er von sich wegweisen: auf jenen Glauben hin, der Gott alles zutraut, durch den Sieg über den Tod.

Das gilt schon für 1. Sam. 2, 1 – 10 und 1. Mos. 5, 24; 2. Kor. 2, 11 erzählen von solchem Sieg. In der babylonischen Verbannung wächst die Hoffnung auf Gottes zum Leben erweckende Macht (Ez. 37); der zweite Jesaja kündet Gottes Herrschaft über eine neue Welt.

Ps 73, 23 – 26, Hiob 19, 25 – 27 und Jes. 24 – 27 reden von dem, der stärker ist als der Tod.
In der Verfolgungszeit des 2. Jahrh. v. Chrst. häufen sich die Aussagen über Gottes Macht auch jenseits der Todesgrenze ( 2. Makk. 7, 1 – 23; 4. Makk. 13, 1 – 17; 17, 12; 18, 23 f. und besonders Dan. 12, 1 – 3 ). In Weish. 2 – 5 wird schon ein Glaube an den Gott sichtbar, der gerade den anscheinend von Gott Verlassenen erweckt, wie er dann im neuen Testament durch die unerhörte Aussage über die Auferstehung des Gekreuzigten zur Erfüllung kommt.

So ist er freilich in Überbietung jüdischer und griechischer Vorstellungen erst nach Jesu Auferweckung möglich. Der heutige Mensch bleibt in seiner völlig anderen Situation leicht bei der Geschichte selbst stecken, ob er sie dann für wahr hält oder ablehnt. Damit verliert sie ihre “ Zeichen“ – Sprache.

Man muß etwa an Dürrenmatts “ Meteor “ denken, wie die Wiederbelebung eines Leichnams und sein Zurückkehren in ein überhaupt nicht verändertes irdisches Leben das genaue Gegenteil von Auferstehung ist. Es wäre ja nicht Neuschöpfung Gottes zu einem Sein, das in einer völlig anderen, nicht vorstellbaren Weise Leben ist, weil es in der Gemeinschaft mit Gott gelebt wird.

Freilich richtet Gott dafür Zeichen auf. Aber die Verschiebung der Glaubensfrage von der Sache selbst zum Zeichen wäre doch fatal. Wer vom modernen Menschen einfach das Fürwahrhalten dieser Geschichte fordert, der verdeckt ihm, dass das eigentliche Wunder gerade dieser Geschichte das Entstehen des Glaubens ist, der Gott auch den Sieg über den Tod zutraut, und verführt ihn, in der Auferstehung von Toten nur so etwas wie eine Rückkehr ins irdische Leben unter verbesserten Umständen zu sehen. Ebenso unsinnig wäre der gegenteilige Satz, dass Gott unter keinen Umständen ein solches, alle Erfahrung durchbrechendes Wunder tun könnte, als wüßten wir so über Gott Bescheid, dass wir ihm vorschreiben könnten, was ihm möglich ist. So weist die Geschichte energisch von sich selbst weg und fragt den Leser, ob er in seinem Sterben, wo vermutlich kein “ Wunder “ zu erleben ist, Gott den Sieg über seinen Tod zutraut.